Lockout-Tagout bei Schichtwechsel, über mehrere Tage oder mit mehreren Fremdfirmen hat eines gemeinsam: Keine einzelne Person hält die Sicherung von Anfang bis Ende. Jede Übergabe ist eine Stelle, an der der Schutz durch Lockout-Tagout (LOTO) abreißen kann. In der Schweiz verunfallen jedes Jahr mehr als zehn Menschen bei der Instandhaltung von Maschinen und Anlagen tödlich.[1]
Ihr Verfahren muss vor Arbeitsbeginn vier Fragen beantworten:
- Wer koordiniert die Sicherung und verwahrt die Schlüssel der Trennstellen?
- Wie geht der Schutz ohne Lücke von einer Schicht auf die nächste über?
- Was ändert sich, wenn die Arbeit mehrere Tage dauert oder eine Fremdfirma dazukommt?
- Wer darf ein Schloss entfernen, dessen Besitzer schon nach Hause gegangen ist?
Teil 1: Was macht Lockout-Tagout komplex?
Die einfache Sicherung heißt: eine Person, eine Maschine, ein Schloss, nach den Schritten von Lockout-Tagout. Komplex wird es, sobald mehr Personen, mehr Zeit oder mehrere Firmen beteiligt sind, denn mit ihnen kommen Übergaben. Meist arbeitet man dann mit einem Gruppenverschlusskasten (Lockbox): Die verantwortliche Person sichert die Trennstellen und legt deren Schlüssel in den Kasten, danach hängt jede beteiligte Person ihr persönliches Sicherheitsschloss an den Kasten. Wie das grundsätzlich funktioniert, zeigt unser Beitrag zur Gruppenverriegelung. Hier geht es um die schwierigeren Fälle.
| Situation | Wo der Schutz versagt | Maßnahme |
|---|---|---|
| Schichtwechsel | Die gehende Schicht nimmt ihre Schlösser ab, bevor die kommende ihre anbringt | Die kommende Schicht sichert zuerst |
| Mehrtägige Sicherung | Über Nacht ist niemand zuständig | Schloss der verantwortlichen Person bleibt; Anhänger aktuell |
| Mehrere Teams oder Fremdfirmen | Ein Team verlässt sich darauf, dass ein anderes getrennt hat | Eine benannte verantwortliche Person; ein Schloss pro Person |
| Besitzer abwesend | Schloss wird entfernt, ohne die Anlage zu prüfen | Schriftliche Regel; Ersatzschlüssel unzugänglich |
Alle vier Fälle brauchen dieselbe Ausrüstung: Gruppenverschlusskästen mit Platz für ein Schloss pro Person.
Teil 2: Lockout-Tagout bei Schichtwechsel: Übergabe ohne Lücke
Die britische Arbeitsschutzbehörde HSE berichtet von vielen Unfällen nach misslungener Kommunikation bei der Schichtübergabe, die meisten bei geplanten Instandhaltungsarbeiten; die Untersuchung der Piper-Alpha-Katastrophe nannte sie als einen der Faktoren.[2] Für die Sicherung gilt: Die kommende Schicht hängt ihr Schloss an, bevor die gehende ihres abnimmt.
Die Übergabe Schritt für Schritt
- An der Anlage treffen. Persönlich übergeben, mündlich und schriftlich: was getrennt ist, was erledigt ist, was noch offen ist.[2]
- Die kommende Person prüft Trennstellen und Anhänger anhand des Verfahrens und hängt dann ihr persönliches Sicherheitsschloss an den Gruppenverschlusskasten.
- Erst dann nimmt die gehende Person ihr Schloss ab.
- Beide unterschreiben das Übergabeprotokoll, mit Namen und Uhrzeit.
Das Sicherheitsschloss Staubdicht aus Stahl 38mm hat unterschiedliche Schlüssel, und der Schlüssel lässt sich bei geöffnetem Bügel nicht abziehen. So geht niemand mit dem Schlüssel eines offenen Schlosses nach Hause.
Bewährte Praxis: Geben Sie der verantwortlichen Person ein Schloss, das während des ganzen Auftrags am Gruppenverschlusskasten bleibt, über alle Schichten hinweg. Geht ein Team, bevor das nächste kommt, bleibt die Sicherung bestehen. Dieses Schloss kommt als letztes ab, wenn alle den Gefahrenbereich verlassen haben.
Teil 3: Lange und mehrtägige Sicherungen
Die HSE empfiehlt, Instandhaltungsarbeiten möglichst so zu planen, dass sie in einer Schicht abgeschlossen sind.[2] Geht das nicht, muss die Sicherung Nächte, Wochenenden und Abwesenheiten überstehen:
- Jemand ist immer zuständig. Das Schloss der verantwortlichen Person bleibt; das Verfahren nennt eine Vertretung.
- Anhänger bleiben aktuell. Jeder LOTO-Anhänger nennt Namen, Erreichbarkeit, Zweck und voraussichtliche Dauer.[1][3]
- Schlüssel bleiben sichtbar. Eine Box mit Sichtfenster, an der Anlage montiert, zeigt jeder Schicht, dass die Schlüssel darin liegen.
- Bei Wiederaufnahme neu prüfen. Zu Beginn jeder Schicht Manometer und Entlastungsstellen erneut ablesen: Ein Ventil kann durchlassen, Druck kann sich wieder aufbauen.
Teil 4: Mehrere Teams und Fremdfirmen unter einer Sicherung
Arbeiten Elektriker, Schlosser und eine Fremdfirma an derselben Linie, verlässt sich leicht ein Team darauf, dass ein anderes eine Energiequelle getrennt hat. Benennen Sie eine verantwortliche Person für den ganzen Auftrag: Die DGUV empfiehlt, nur eine Person als verantwortlich festzulegen,[3] die Suva fragt nach einer Person, die Instandhaltung, Fremdpersonal und Produktion koordiniert.[4] Besteht für die Beschäftigten einer anderen Firma eine erhöhte Gefährdung, ist nach § 13 Abs. 3 BetrSichV schriftlich eine koordinierende Person zu bestellen.[3]
Jede Person bringt trotzdem ihr eigenes Schloss an. Gruppenschlösser, bei denen alle Schlüssel auf alle Schlösser passen, schließt die DGUV aus, solange sich Menschen im Gefahrenbereich aufhalten.[3] Ein Hauptschalter nimmt in der Regel bis zu drei Schlösser auf; bei mehr Beteiligten kommt ein Schließbügel dazu.[3] Der schiebbare Schließbügel aus Aluminium nimmt 12 oder 24 Schlösser an einer Trennstelle auf. Geben Sie Fremdfirmen Schlösser in eigener Farbe, und unterweisen Sie sie vorab in den Sicherheitsregeln des Betriebs.[4]
Aus der Praxis: Mehrere Personen arbeiteten an einer Förderanlage, gesichert mit einem einzigen Schloss. Nach den Arbeiten wurde das Schloss entfernt und die Anlage wieder eingeschaltet, ohne zu prüfen, ob sich noch jemand darin aufhielt. Eine Person wurde eingezogen und verletzt.[3] Ein Schloss pro Person und eine Schlusskontrolle verhindern genau das.
Teil 5: Schloss entfernen, wenn der Besitzer fehlt
Jede Person nimmt ihr eigenes Schloss ab und trägt den Schlüssel bei sich.[1][3] Für den Tag, an dem jemand mit hängendem Schloss nach Hause geht, legen Sie vorab eine schriftliche Regel fest:
- Feststellen, dass die Person den Betrieb verlassen hat, und versuchen, sie zu erreichen.
- Die verantwortliche Person prüft Anlage und Gefahrenbereich: Arbeit beendet, Werkzeug entfernt, niemand im Inneren.
- Eine benannte Führungskraft entfernt das Schloss mit dem Ersatzschlüssel. Die DGUV lässt einen Ersatzschlüssel nur zu, wenn er für andere Beschäftigte unzugänglich ist, etwa bei der Produktionsleitung oder beim zuständigen Meister.[3]
- Die Entfernung dokumentieren und die Person informieren, bevor sie wieder an der Anlage arbeitet.
Teil 6: Was DGUV, Suva und Normen verlangen
- EN ISO 14118: die Maschinenseite: Trenneinrichtungen, Einrichtungen zum Absperren und zum Abbau gespeicherter Energie (Abschnitt 5).[5]
- Deutschland: DGUV Information 209-015: eine verantwortliche Person (2.4.1), Koordination bei Fremdfirmen nach § 13 BetrSichV (2.4.2), eigenes Schloss pro Person und unzugänglicher Ersatzschlüssel (3.1.1).[3]
- Schweiz: Suva, acht lebenswichtige Regeln für die Instandhaltung, Regel 3: persönliches Schloss, Schlüssel bei sich tragen, Kennzeichnung mit Zuständigkeit, Zweck und Dauer.[1]
- Zum Vergleich, USA: OSHA 1910.147(f)(3) Gruppensicherung, (f)(4) geordnete Übergabe bei Schichtwechsel, (e)(3) Entfernen bei abwesendem Besitzer.[6]
Wie Sie diese Regeln in Ihr eigenes Verfahren übernehmen, zeigt unser Leitfaden für das Lockout-Tagout-Verfahren.
Teil 7: Wo The Lock Box ins Spiel kommt
Unsere Gruppenverschlusskästen für Lockout-Tagout bei Schichtwechsel nehmen ein Schloss pro Person auf.
Für Sicherungen über mehrere Tage wird der wandmontierte Gruppenverschlusskasten (groß) direkt an der Anlage befestigt: Platz für 15 Schlösser, ein Schlüsselschlitz oben und ein Sichtfenster, durch das jede Schicht die Schlüssel sieht. Dazu kommen der Schließbügel für große Teams und Sicherheitsschlösser mit unterschiedlichen Schlüsseln, eine Farbe pro Team oder Fremdfirma. Box, verantwortliche Person und Schichtübergabe halten Sie für jede Anlage in unserer kostenlosen LOTO-Verfahrensanweisung fest (PDF, Word oder Excel).
Planen Sie eine Sicherung über mehrere Schichten?
Kontaktieren Sie The Lock Box mit der Zahl der Trennstellen und der Personen pro Schicht, und wir schlagen Ihnen ein Set aus Box, Schließbügel und Schlössern vor. Für digitale Übergabeprotokolle gibt es unsere Schwestermarke Zentri.
Quellen
- Suva. Acht lebenswichtige Regeln für die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen: Instruktionshilfe (88813.d), Regel 3 (2022). https://www.
suva. ch/ 88813. d - HSE (Health and Safety Executive, Großbritannien). Shift handover. https://www.
hse. gov. uk/ humanfactors/ topics/ shift- handover. htm - DGUV. DGUV Information 209-015: Instandhaltung an Maschinen und Anlagen, Abschnitte 2.4.1, 2.4.2 und 3.1.1 (Juni 2026). https://publikationen.
dguv. de/ regelwerk/ dguv- informationen/ 338/ instandhaltung- an- maschinen- und- anlagen - Suva. Checkliste: Instandhaltung von Maschinen und Anlagen (67192.d), Fragen 6 und 7 (2023). https://www.
suva. ch/ 67192. d - ISO. ISO 14118:2017 (DIN EN ISO 14118:2018): Sicherheit von Maschinen, Vermeidung von unerwartetem Anlauf, Abschnitt 5. https://www.
iso. org/ standard/ 66460. html - OSHA. 29 CFR 1910.147: The control of hazardous energy (lockout/tagout), Absätze (e)(3), (f)(3) und (f)(4). https://www.
osha. gov/ laws- regs/ regulations/ standardnumber/ 1910/ 1910. 147